Kommissionieren ohne Papier: von der Pickliste zum Sammelpicken
In vielen kleinen Lagern beginnt der Packtag mit einem Stapel ausgedruckter Bestellungen. Das funktioniert, solange die Artikel sich deutlich unterscheiden und die Zahl der Bestellungen überschaubar ist. Sobald es Sorten, Größen oder Geschmacksrichtungen gibt, die sich zum Verwechseln ähnlich sehen, steigen Laufwege und Fehlgriffe. Dieser Artikel zeigt, wie Sie von Einzelpicken nach Papier auf Sammelpicken mit Wagen, Boxen und Scanprüfung umstellen, wie Sie mit Fehlmengen umgehen und worauf Sie bei der Wahl eines Handscanners achten.
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Wo die Papierliste an ihre Grenzen kommt
Eine ausgedruckte Bestellung sagt, was in das Paket gehört. Sie prüft aber nicht, was tatsächlich hineingelegt wurde. Ob die Zitronen- oder die Limettensorte, der kleine oder der große Beutel im Karton liegt, hängt allein am Blick der Person, die packt. Ein Haken auf dem Papier bestätigt nur, dass jemand glaubt, richtig gegriffen zu haben.
Dazu kommt der zweite Fehler, der später auffällt: Wird die falsche Sorte verschickt, stimmt der Bestand von zwei Artikeln nicht mehr. Die verschickte Sorte steht im System noch im Regal, obwohl sie weg ist. Die bestellte Sorte ist im System abgebucht, liegt aber noch im Regal. Bemerkt wird das oft erst, wenn ein Regal leer ist, das laut System voll sein sollte, oder wenn ein Käufer sich meldet.
Schließlich kostet Papier Zeit an Stellen, die man nicht sieht: Listen drucken, sortieren, nach dem Packen abheften und bei Rückfragen wiederfinden. Eine digitale Pickliste löst nicht jedes dieser Probleme von selbst, aber sie macht eine Prüfung beim Greifen erst möglich.
Einzelpicken oder Sammelpicken?
Beim Einzelpicken gehen Sie für jede Bestellung einmal durch das Lager, legen die Artikel zusammen und packen das Paket. Beim Sammelpicken fassen Sie mehrere Bestellungen zu einem Durchgang zusammen, gehen einmal durch das Lager und verteilen unterwegs auf Boxen, eine je Bestellung.
Für ein kleines Lager ist die Frage meist nicht, ob Sammelpicken besser ist, sondern ab wann es sich lohnt. Als grobe Orientierung:
- Einzelpicken passt bei wenigen Bestellungen am Tag, kurzen Wegen und Bestellungen mit nur einem Artikel.
- Sammelpicken lohnt sich, sobald mehrere Bestellungen dieselben Regale ansteuern oder viele Bestellungen mehrere Positionen haben.
- Bei sehr großen Bestellungen, etwa einem Großauftrag mit dutzenden Positionen, ist diese eine Bestellung oft ein eigener Durchgang.
- Sammelpicken braucht Platz für einen Wagen mit Boxen und eine klare Kennzeichnung, welche Box zu welcher Bestellung gehört. Ohne diese Kennzeichnung entsteht der Fehler nur an anderer Stelle.
Beispielrechnung: Laufwege an einem Packtag
Die folgenden Zahlen sind ein Beispiel mit Annahmen, keine Messung. Rechnen Sie dieselbe Überschlagsrechnung mit Ihren eigenen Werten nach.
Angenommen, an einem Vormittag liegen 12 Bestellungen vor, jede mit im Schnitt drei Positionen. Ein Gang durch das Lager dauert vier Minuten. Beim Einzelpicken sind das 12 Gänge, also rund 48 Minuten nur für Wege. Beim Sammelpicken in einem Durchgang ist der Gang länger, weil Sie an jedem Regal für mehrere Bestellungen greifen und auf Boxen verteilen. Rechnen Sie dafür großzügig mit zwölf Minuten, bleiben rund 36 Minuten Ersparnis allein bei den Wegen.
Die Rechnung kippt, wenn das Verteilen auf Boxen unübersichtlich ist. Sucht jemand bei jedem Griff erst die richtige Box, frisst das die Ersparnis wieder auf. Deshalb lohnt sich Sammelpicken nur zusammen mit einer festen Box-Ordnung und einer Prüfung, die sagt, in welche Box ein Artikel gehört.
Den Wagen mit Boxen einrichten
Ein Kommissionierwagen muss nicht teuer sein. Ein stabiler Rollwagen mit nummerierten Kisten reicht für den Anfang. Entscheidend ist, dass jede Box eindeutig einer Bestellung zugeordnet ist und diese Zuordnung während des Durchgangs nicht wechselt.
- Boxen fest nummerieren, gut lesbar von oben und von der Seite.
- Vor dem Durchgang jeder Bestellung genau eine Box zuweisen und die Zuordnung auf der Pickliste festhalten, digital oder auf einem Etikett an der Box.
- Die Pickliste nach Regalreihenfolge sortieren, nicht nach Bestellung: Sie greifen je Artikel einmal und verteilen dann auf die Boxen.
- Bei jeder Position anzeigen lassen, wie viele Stück in welche Box gehören. Boxen mit mehr als einem Stück desselben Artikels deutlich hervorheben, damit niemand je ein Stück in mehrere Boxen legt.
- Nach dem Durchgang den Wagen an den Packtisch bringen und Box für Box packen. Eine Box gilt erst als fertig, wenn alle Positionen bestätigt sind.
Was eine Scanprüfung leisten muss
Ein Scanner allein ist noch keine Prüfung. Wenn der Scan nur zählt, wie oft gepiept wurde, ist er kaum besser als ein Haken auf Papier. Eine echte Prüfung vergleicht den gescannten Barcode mit der Aufgabe, an der gerade gearbeitet wird, und weist ab, was nicht dazugehört, bevor es in der Box liegt.
Prüfen Sie ein Werkzeug oder einen eigenen Ablauf an diesen Punkten:
- Sorte gegen Aufgabe: Ein Barcode einer anderen Sorte wird abgelehnt und nicht gezählt, auch wenn das Produkt dasselbe ist.
- Menge: Der Scan zählt mit und meldet, wenn die geforderte Stückzahl erreicht ist. Ein weiterer Scan darüber hinaus wird nicht mehr angerechnet.
- Box: Bei Sammelpicken muss klar sein, für welche Box ein Scan gilt. Ein Scan ohne Box-Zuordnung verschiebt den Fehler nur an den Packtisch.
- Mehrdeutige Barcodes: Tragen mehrere Sorten denselben Barcode, darf das System nicht raten, sondern muss nachfragen.
- Unbekannte Barcodes: Ein noch nicht bekannter Barcode wird einmal einem Artikel und einer Sorte zugeordnet und danach erkannt. Ordnet ein Mensch zu, wird nur das gelernt, was er bestätigt hat.
- Kartons und Packungen: Liegt ein Umkarton mit mehreren Stück im Regal, muss klar sein, ob sein Barcode als ein Stück oder als Karton zählt.
Fehlmengen: Was tun, wenn das Regal leer ist
Früher oder später steht jemand vor einem leeren Regalfach, obwohl laut System noch Ware da sein müsste. Die schlechteste Reaktion ist eine stille: eine ähnliche Sorte nehmen, die Position abhaken oder die Bestellung beiseitelegen, ohne dass es jemand erfährt. Dann ist der Bestand im System falsch, und der nächste Durchgang läuft in dasselbe leere Fach.
Besser ist ein fester Ablauf, der aus jeder Fehlmenge eine Aufgabe macht:
- Die Position als fehlend markieren, nicht überspringen. Die Bestellung bleibt offen. Wird eine Ersatzsorte gepackt, dann nur mit Buchung.
- Aus der Markierung einen Nachzählauftrag für genau diesen Artikel und diese Sorte machen.
- Das Fach nachzählen: Liegt die Ware an einem anderen Platz, wird sie geholt; ist sie wirklich weg, wird der Bestand auf die gezählte Menge korrigiert.
- Die wartende Bestellung entscheiden: auf Wareneingang warten, mit dem Käufer eine Ersatzsorte abstimmen oder die fehlende Position stornieren und den Rest versenden.
- Häufen sich Fehlmengen bei denselben Artikeln, die Ursache suchen: falsch gebuchte Wareneingänge, verwechselte Sorten beim Versand oder Retouren, die eingebucht, aber nicht ins Regal zurückgelegt wurden.
Den Handscanner auswählen: Bluetooth oder USB
Die meisten Handscanner für den Lageralltag arbeiten im Tastaturmodus: Sie tippen den Barcode in das gerade aktive Feld, als käme er von einer Tastatur, und senden am Ende ein Abschlusszeichen wie Enter. Dadurch funktionieren sie mit fast jeder Software im Browser, ohne eigenen Treiber. Prüfen Sie vor dem Kauf, ob Ihr Werkzeug genau diese Eingabe erwartet.
Die Kamera eines Telefons kann Barcodes lesen, ist aber für viele Scans am Tag in der Regel langsamer, braucht Licht und eine ruhige Hand. Für das Kommissionieren hat sich ein eigener Handscanner bewährt, den Sie mit dem Handy, Tablet oder Rechner verbinden.
- USB: Kabel am Rechner oder Tablet, kein Akku, keine Kopplung. Gut am festen Packtisch, unpraktisch beim Gang durch das Lager.
- Bluetooth: Frei beweglich, gekoppelt mit Handy oder Tablet am Wagen. Achten Sie auf Akkulaufzeit für einen ganzen Packtag und auf eine stabile Verbindung über die Länge Ihres Lagers.
- 1D oder 2D: Ein 1D-Scanner liest klassische Strichcodes wie EAN. Ein 2D-Scanner liest zusätzlich QR- und DataMatrix-Codes, etwa auf Lieferscheinen oder eigenen Etiketten.
- Abschlusszeichen: Der Scanner sollte nach jedem Code Enter oder Tab senden. Das lässt sich meist über einen Einstellungs-Barcode aus dem Handbuch ändern.
- Tastaturlayout: Steht der Scanner auf einem anderen Layout als das Gerät, werden einzelne Zeichen vertauscht. Testen Sie mit einem Barcode, der Buchstaben enthält.
- Robustheit: Ein Scanner fällt im Lager öfter herunter. Eine Halterung am Wagen schont ihn und hält die Hände frei.
Die Umstellung in kleinen Schritten
Die Umstellung von Papier auf Scanner gelingt am besten nicht an einem vollen Packtag, sondern schrittweise. So sehen Sie Lücken bei Barcodes und Regalplätzen, bevor sie den Versand aufhalten.
- Barcodes erfassen: Für jede Sorte prüfen, ob ein Barcode vorhanden und im System hinterlegt ist. Artikel ohne Barcode bekommen ein eigenes Etikett.
- Mit einem Durchgang von drei bis fünf Bestellungen beginnen und Papier zur Kontrolle daneben behalten.
- Fehlermeldungen beim Scan nicht wegklicken, sondern aufschreiben: Jede zeigt einen fehlenden oder falschen Barcode.
- Die Größe der Durchgänge erhöhen, sobald ein Durchgang ohne Rückfragen läuft.
- Papier weglassen, wenn mehrere Packtage hintereinander ohne Ablehnung durch unbekannte Barcodes gelaufen sind.
Typische Fallstricke
Die meisten Probleme nach der Umstellung entstehen nicht durch den Scanner, sondern durch Abkürzungen im Ablauf:
- Ein Barcode für mehrere Sorten: Hersteller verwenden manchmal denselben Code für verschiedene Geschmacksrichtungen. Dann prüft der Scan nichts, bis Sie eigene Etiketten kleben.
- Scan auf dem Etikett im Regal statt auf dem Artikel: Das bestätigt den Regalplatz, nicht die Ware in der Hand.
- Mengen per Hand hochzählen statt jedes Stück zu scannen: Bei Kartons sinnvoll, bei Einzelstücken der häufigste Weg, die Prüfung zu umgehen.
- Fehlmengen still übergehen: Wer eine Position abhakt, obwohl das Fach leer war, verschiebt den Fehler in die nächste Inventur.
- Zu große Durchgänge zu Beginn: Dreißig Boxen auf einem Wagen sind unübersichtlich, solange niemand die Box-Ordnung gewohnt ist.
Häufige Fragen
Ab wie vielen Bestellungen lohnt sich Sammelpicken?
Eine feste Grenze gibt es nicht. Es lohnt sich, sobald mehrere Bestellungen dieselben Regale ansteuern oder Bestellungen mehrere Positionen haben. Rechnen Sie Ihre Laufwege einmal für Einzel- und Sammelpicken durch.
Brauche ich für das Kommissionieren einen Handscanner?
Nicht zwingend. Auch die Kamera eines Telefons kann Barcodes lesen, wenn Ihr Werkzeug das unterstützt. Bei vielen Scans am Tag ist ein Handscanner im Tastaturmodus aber in der Regel schneller, braucht kein gutes Licht und keinen eigenen Treiber.
Bluetooth- oder USB-Scanner?
USB eignet sich für den festen Packtisch. Für den Gang durch das Lager mit Wagen ist ein Bluetooth-Scanner praktischer, gekoppelt mit Handy oder Tablet. Achten Sie auf Akkulaufzeit und Reichweite.
Was mache ich, wenn ein Artikel im Regal fehlt?
Markieren Sie die Position als fehlend, statt sie zu überspringen oder eine ähnliche Sorte zu nehmen. Daraus wird ein Nachzählauftrag, und die Bestellung wartet, bis entschieden ist, wie es weitergeht.
Was tun bei Artikeln ohne Barcode?
Kleben Sie eigene Etiketten mit einem Barcode je Sorte und hinterlegen Sie ihn im System. Wichtig ist, dass jede Sorte einen eigenen Code hat, sonst kann der Scan Sorten nicht unterscheiden.
So kommissioniert Eilig
Eilig fasst mehrere Bestellungen zu einem Durchgang zusammen und gibt jeder Bestellung eine Box auf dem Wagen. Kommissioniert wird im Browser auf Handy oder Tablet mit Handscanner, verbunden per Bluetooth oder USB; die Kamera scannt nicht. Jeder Scan wird gegen die offene Aufgabe geprüft: Eine Sorte, die nicht dazugehört, wird abgelehnt und nicht gebucht. Unbekannte Barcodes ordnen Sie einmal der Sorte zu, und ein Druck auf „Fehlt“ legt einen Nachzählauftrag an.
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